Wünschen – Erwarten

Beides nicht aufgeben

23.12.
2016
„Wünschen, das soll man nicht aufgeben“, so schreibt es der Dichter Rainer Maria Rilke in einem seiner oft so bestechenden Verse. Jedes Jahr zu Weihnachten wird das Wünschen wieder akut.
Schließlich haben wir auch keinen gewöhnlichen Geburtstag zu feiern, sondern immerhin den des Herrn und Erlösers. Die Kleinen können es kaum mehr erwarten, sich endlich über die feinen Pakete unterm Christbaum herzumachen und die Großen wollen nach Hektik, überstandenen „Weihnachtsfeiern“, zu erledigender Post und genervten Mitbürgern ihre wohlverdiente Ruhe.

In all dem eben Erwähnten zeigt sich unübersehbar die Begrenztheit aller Erfüllung hier auf unserer Welt. Was der Wunsch nicht schafft, übernimmt der Traum. Wenn wir den Traum des heiligen Josef betrachten, der im Evangelium geschildert wird, werden wir verblüfft feststellen, dass darin der Bräutigam Mariens aus seinem eigenen ängstlichen Überlegen zurückgeführt wird zur Realität des Erlösungswerkes Gottes.
Was erwarten wir uns ­eigentlich? Wäre es denn überhaupt gut, wenn sich unsere Luftschlösser in tatsächliche Zustände verwandeln würden? Oder ist es nicht viel besser, wenn wir durch Reifen und Geduld als geistbegabte und beseelte Menschen mit der Wirklichkeit der gegenwärtigen Welt und der Allmächtigkeit des Schöpfers „zurecht kommen“.

In der Botschaft von Weihnachten treffen Traum und Wirklichkeit zusammen. Die Sehnsucht der Völker findet ein Ziel. Gott selbst nimmt sich der Welt an und tritt in der Person seines Sohnes in die begrenzte Wirklichkeit der Erde ein. Er sucht uns auf, nicht, damit wir vor ihm davonlaufen, sondern vielmehr, um mit ihm in die Zukunft zu gehen. Für alle, die glauben, dass Christus der Messias ist, tun sich Perspektiven auf, die sich niemand jemals zuvor hat erträumen können. Gehen wir in diesem Sinne nach Bethlehem und lassen wir den Stern der göttlichen Verheißung nicht aus den Augen.

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