Kräuterpfarrer Weidinger

Hermann-Josef WEIDINGER (1918–2004): Waldviertler Bauernkind, Missionar in China, Seelsorger, Volksbildner und schließlich Kräuterpfarrer. Mit seinen Vorträgen landauf, landab, in den Medien und mit seinen Büchern erreichte er tausende Menschen, denen er den Gebrauch der Heilkräuter, die Liebe zur Natur und die Ehrfurcht vor dem Leben ans Herz legte.

Waldviertler Bauernkind           

Heinrich Anton Weidinger (Hermann-Josef ist sein Ordensname) kam am 16. Jänner 1918 in Riegersburg im Waldviertel zur Welt. Die Liebe zur Natur war dem Bauernkind in die Wiege gelegt. Die Bürgerschule besuchte er jenseits der Grenze in Frain (Vranov) an der Thaya im damals deutschsprachigen Teil Südmährens. Nach der Matura an der Aufbauschule in Horn entschloss er sich zum Dienst in der Mission und trat in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Nach kurzer Vorbereitung und Sprachschulung in Unterwaltersdorf und in Italien kam er 1938 nach China, zunächst nach Hongkong.


15 Jahre in China

In Macao (damals portugiesisch) als Assistent in einem Militärkrankenhaus und später Leiter der Missions-Krankenstation wurde er mit Lepra und allen möglichen Krankheiten konfrontiert, verabreichte täglich an die hundert Injektionen und lernte dabei auch die chinesische Medizin kennen. Seine Hauptaufgabe aber war die Pressearbeit, dazu erlernte er das Buchdrucker- und Buchbinderhandwerk. Unter Beiziehung von chinesischen Sprachstudenten übersetzte er Jugend- und religiöse Literatur ins Chinesische und gründete einen Verlag. Nach Abschluss des Philosophie- und Theologiestudiums wurde er 1949 zum Priester geweiht, war bald darauf Ordensoberer auf Formosa (Taiwan) und bereiste schließlich im Auftrag des Vatikans Amerika und andere Erdteile, zur Betreuung der dort lebenden Chinesen und als Referent vor chinesischen Akademikern. Für seine Arbeit im Presseapostolat erhielt er hohe Auszeichnungen und den Titel „Monsignore“.


Landpfarrer, Lehrer und Volksbildner

Im Zuge einer Auslandsreise wurde ihm 1953 der erste Heimaturlaub zuteil. Über seine Arbeit in China hielt er Vorträge in Wien, Linz usw. Nach überstandenem Blinddarmdurchbruch und einem Malaria-Anfall schwer danieder, war an eine Rückkehr nach China nicht mehr zu denken. Er trat in das heimatliche Stift Geras ein, übernahm nun als Prämonstratenser-Chorherr 1954 die Pfarre Harth bei Geras und war Religionslehrer u.a. bei Schwererziehbaren in Eggenburg. Dabei kam ihm seine Don-Bosco-Erfahrung aus China zugute.
In seiner kleinen Dorfpfarre errichtete er ein Bildungshaus, das zur Bühne für junge Künstler, Chöre, Theater- und Tanzgruppen wurde. Zu den „Harther Festwochen“, die bald in der weiten Umgebung bekannt waren, holte er hochrangige Referenten wie Rudolf Kirchschläger und Otto Habsburg. Daneben züchtete er Collies und widmete sich seinem Pfarrgarten, den er zu einem reichhaltigen Obst-, Gemüse- und Kräutergarten gestaltete. Hier wurden seine jugendlichen Interessen wieder geweckt, er experimentierte mit Kräutermischungen und Destillaten. Sein „Sanamunda“ und der „124er“ wurden zu Geheimtipps.


Senkrechtstart als Kräuterpfarrer    

Als in Karlstein der noch junge Verein „Freunde der Heilkräuter“ 1979 nach dem Tod des Gründers Pfarrer Karl Rauscher verwaist war, erging der Ruf an Hermann-Josef Weidinger, sich der Sache anzunehmen. Seine Naturverbundenheit als Bauernkind, seine Erfahrungen in China, sein Kräutergarten und viel Studium, aber auch seine Lebensweisheit und Menschenkenntnis sowie sein überzeugtes und überzeugendes Priestertum kamen nun zur Entfaltung. So wurde das Jahr 1980 zu seinem Senkrechtstart als „Kräuterpfarrer“: Er hielt Vorträge, trat in Hörfunk und Fernsehen auf (auch im Ausland) und begann Bücher zu schreiben. Viele Menschen kamen zu ihm nach Karlstein, um sich Rat zu holen. Weidinger verstand es, für jeden das individuell passende Mittel zu finden, wobei er auch den Kontakt mit Arzt und Apotheker pflegte, so etablierte sich ein Beratungsdienst mit tausenden telefonischen und schriftlichen Auskünften.


1983 ging er daran, die Landwirte der Umgebung zum Anbau von Heilkräutern zu gewinnen. In Zusammenarbeit mit der landw. Fachschule Edelhof und einem Maschinenring wurden auf ca. 7 ha Heilpflanzen angebaut. Zur Trocknung und Verarbeitung mietete man eine leer stehende Mühle an. Doch da erlitt Pfarrer Weidinger im Februar 1984 einen schweren Verkehrsunfall (auf der Fahrt zu einem Vortrag) mit monatelangem Krankenhausaufenthalt. Dadurch ließ sich der Heilkräuteranbau nicht im geplanten Umfang weiterführen. Ein Teil wandte sich dem Gewürzanbau zu („Waldviertler Kümmel“ ist seither ein Markenprodukt) und ein Teil bildete die Grundlage für alle möglichen Kräuter-Initiativen im Waldviertel und darüber hinaus.


Ein Lebenswerk in der Reihe der ganz Großen

Nach seiner Genesung (die Folgen des Unfalles spürte er bis zu seinem Lebensende) nahm Pfarrer Weidinger seine Tätigkeit in vollem Umfang wieder auf. Jedes Jahr schrieb er ein oder mehrere Bücher ganz unterschiedlicher Prägung und dazu unzählige Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Seine Vorträge führten ihn in alle österreichischen Bundesländer und nach Südtirol, in den intensivsten Jahren hat er jeweils die Zahl 200 überschritten. In mehreren Landesstudios gab es immer wieder Hörfunk- und Fernsehaufnahmen. Er hielt Seminare in Kärnten und Vorarlberg und nahm an Kongressen in Bobbio/Italien und Togo/Westafrika teil. In der Schweiz begab er sich auf die Spuren von Hildegard v. Bingen und Paracelsus. Wie kein anderer schaute er in das innere Wesen der Pflanzen und stellte sie in Beziehung zu Mensch, Tier und zum Kosmos.

Schritt für Schritt baute er das Heilkräuterzentrum in Karlstein aus. Das „Paracelsushaus“ als Stammhaus war den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Hinzu kam das „Kleine Beratungsstüberl“ als Verkaufslokal. Die steigende Nachfrage machte eine Produktionsstätte für Teemischungen, Elixiere und Naturkosmetika erforderlich, es entstand der „Marien-Kräuterhof“. In der Folge wurde auch das Beratungsstüberl zu klein und man baute das Seminarzentrum mit Teestube, Naturladen, Vollwertrestaurant und Kräutergarten – das heutige „Kräuterpfarrer-Weidinger-Zentrum“. Nun musste er seine Vorträge nicht mehr auswärts halten, sondern die Menschen kamen immer mehr einzeln und in Reisegruppen nach Karlstein, auch Seminare konnten nun daheim durchgeführt werden. Er selbst – nach wie vor Pfarrer in Harth – hatte seinen Wohnsitz mehr und mehr nach Karlstein verlagert. Dazu hatte er aus der Versicherungsabgeltung (Schmerzensgeld), die ihm aus seinem Verkehrsunfall zugekommen war, ein Haus in Karlstein erworben, das als „Albertus-Magnus-Studienzentrum“ nun auch zum Redaktionsbüro wurde, denn seit 1995 gibt es die tägliche Kräuterpfarrer-Kolumne in Österreichs auflagenstärkster Tageszeitung. Mit den baulichen Erweiterungen wuchs auch das Mitarbeiterteam, und 20 bis 30 Arbeitsplätze sind im Waldviertler Grenzland nicht unbedeutend.
 
Eine große Aufgabe als Ordensmann stand ihm noch ins Haus: Als Vizepostulator wurde er zum Vorkämpfer für die Seligsprechung seines Ordens-Mitbruders Jakob Kern. Bei seinen Vorsprachen im Vatikan kam es auch zu persönlichen Begegnungen mit Papst Johannes Paul II. Es gehörte wohl zu seinen schönsten Erlebnissen, als ihn der Heilige Vater zur Konzelebration an seine Seite holte. Der Höhepunkt war schließlich 1998 beim Papstbesuch in Wien, wo mit der Seligsprechung von Jakob Kern das Ziel erreicht war.

Weidinger hatte zu vielen Persönlichkeiten ein freundschaftliches Nahverhältnis, zu Willi Dungl und Dieter Dorner, zu Bischöfen, Äbten und Politikern; und Künstler wie Adolf Blaim, Emil Jaksch, Hans Muhr und Josef Elter begleiteten mit ihrem Schaffen sein Werk. Sein Wirken wurde mit hohen Auszeichnungen gewürdigt: Ehrenzeichen der Republik und der Bundesländer, die Ehrentitel „Konsistorialrat“ und „Professor“ sowie die Ehrenbürgerschaft von Macao, Geras und Karlstein. Schon zu Lebzeiten und danach wurden Bäume gepflanzt, die seinen Namen tragen – in Karlstein, Harth und Pernegg.

Am 21. März 2004 war sein irdischer Weg zu Ende. Sein Grab befindet sich auf dem Konventfriedhof im Schatten der Stiftskirche Geras. In Karlstein und im Stift Geras wird in Ausstellungen sein Lebenswerk gewürdigt und ihm ein Platz in der Reihe der ganz Großen – Hildegard, Paracelsus und Kneipp – zuerkannt. Das von ihm aufgebaute Werk wird von seinem Nachfolger Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger und unserem Mitarbeiterteam in Karlstein erfolgreich weitergeführt.

Die Lyrik-Trilogie des Kräuterpfarrers

KÖSTLICHE FRÜCHTE – Verse zum Nachdenken
IN GOLD GEPRÄGT – Aufatmen der Seele
TROTZ ALLEM – Heilkraft des Lächelns

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